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Themen

Nachgefragt und mitgedacht

In loser Folge erscheinen an dieser Stelle Stellungnahmen, Gedanken und Meinungen zu Themen der Energieversorgung.

31.05.2011

Wir sollten das Öl verlassen, bevor es uns verlässt

Dieser Gedanke wurde von Fatih Birol, dem Chefökonom der Internationalen Energieagentur IEA geprägt, einer Organisation, die der Nutzung konventioneller Energieträger durchaus nahe steht.

Setzt man die Erfindung der Dampfmaschine als Startpunkt für die industrielle Nutzung fossiler Rohstoffe, so lässt sich eine bislang rund 250 Jahre dauernde Phase ausmachen, die aller Voraussicht nach ihren Höhepunkt bereits überschritten hat.

Unabhängig von der kontrovers diskutierten Reichweite konventioneller und nuklearer Energierohstoffen ist die Tatsache, dass die Vorkommen endlich sind, unbestritten. Die Horizonte liegen dabei in Größenordnungen von ca. 40 Jahren für Erdöl, Erdgas und Uran, sowie bis ca. 150 Jahre für Kohle.

Dem Energieträger Kohle kommt zudem eine Sonderrolle zuteil: Derzeit liefert die Kohleveredelung die einzige Perspektive, in einer Post-Erdölära Treibstoffe, Chemikalien und Pharmazeutika herzustellen. Wie schnell die Reserven unter derart erweiterten Nutzungsszenarien zusammenschmelzen, lässt sich aus den üblicherweise publizierten statischen Zahlen, die lediglich das heutige Verbrauchsniveau fortschreiben, nicht ablesen. Danach bliebe nur noch Biomasse. – Wieso also nicht gleich mit dem Technologiewandel anfangen?

Werden die zahlreichen Neubauvorhaben für Kernkraftwerke in derartige Überlegungen mit einbezogen, so ist es fraglich, ob zur Laufzeit dieser Anlagen überhaupt noch hinreichende Mengen an Brennstoff verfügbar sind.

Wie bereits im letzten Thema („Die neue Messlatte: Energieaufwand“) gezeigt wurde, existieren neben der physischen Verfügbarkeit auch durchaus ernst zu nehmende, weitere Randbedingungen. Wie kurzfristig mutet eine Zeitspanne von vielleicht 400 Jahren im Vergleich zur Menschheitsgeschichte an!

Demgegenüber steht ein nach menschlichen Maßstäben nahezu unbegrenztes Reservoir an regenerativer Energie. Die Sonne ist nicht nur seit 5 Milliarden Jahren der wichtigste Energielieferant der Erde, sie wird es auch für die nächsten 5 Milliarden Jahre bleiben. Solare Energie ist nicht nur der Motor der Winde, der Antrieb für Wasserkraftanlagen und die wichtigste Vorraussetzung für pflanzliches Wachstum – allein die Einstrahlung auf die Erde innerhalb einer Stunde übersteigt den jährlichen, weltweiten Energiebedarf.

Bereits mit heute existierenden Technologien kann ein Vielfaches des tatsächlichen Energiebedarfs durch Sonne, Wind und Wasser gedeckt werden. Und langfristig gibt es keine Alternative.

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